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Ernährung und Öffentlichkeit

Problemstellung

Angesichts des forcierten Wandels der Ernährungskultur wird es für KonsumentInnen immer schwieriger Qualität und Risikopotentiale von Lebensmitteln selbständig zu beurteilen. Entwicklungen wie die Verrechtlichung der Lebensmittelverarbeitung und die Zunahme der Außer-Haus-Ernährung haben Ernährungsfragen aus der Privatsphäre treten und zu einer öffentlichen Angelegenheit werden lassen. Das überlieferte Ernährungswissen hat diesen Veränderungen nicht stand gehalten, andererseits haben KonsumentInnen unter den gegenwärtigen Bedingungen öffentlicher Kommunikation (Informationsflut, schnell wechselnde Themenpalette, Widersprüche und Skandalisierung) kaum eine Chance sich eine Meinung über Ernährungsfragen zu bilden, geschweige denn ihre Position öffentlich zu vertreten.

Das Modul untersucht die öffentliche Ernährungskommunikation und ihre politischen Kontextbedingungen („Politikfeld Ernährung“) unter der Zielsetzung, Optionen für einen nachhaltigen gesellschaftlichen Verständigungsprozess über die Leitbilder einer Ernährungswende aufzuzeigen und daraus Handlungsempfehlungen für eine nachhaltigere und konsumtInnengerechte Ernährungskommunikation abzuleiten.

Analyse des Politikfelds Ernährung

Die Politikfeldanalyse rekonstruiert mit einem institutionenanalytischen Ansatz, inwieweit das Politikfeld Ernährung in dem aktuellen krisenbedingten Politikwandel Kontur gewinnt gegenüber dem Politikfeld Landwirtschaft und welche Zugänge zum Phänomen Ernährung Deutungsmacht haben.

Auf der Grundlage dieser Rekonstruktion soll in einem zweiten Schritt abgeschätzt werden, in welchem Umfang und in welcher Wirkungstiefe das sich neu konstituierende Politikfeld Ernährung gesellschaftliche Prozesse beeinflussen kann. Zudem sollen politische Gestaltungsspielräume (Partizipations- und Kommunikationskonzepte usw.) und Steuerungsinstrumente für eine nachhaltige Ernährungspolitik identifiziert werden.

Analyse der Öffentlichen Ernährungs-Kommunikation

Angesichts der Grundzüge öffentlicher Kommunikation
- häufig über Krisen und Skandalisierung in Gang gesetzt und forciert zu werden sowie
- weitgehend der Eigendynamik medialer Inszenierung ausgesetzt zu sein
liegt es nahe, die Strukturmerkmale der gegenwärtigen Ernährungskommunikation am Beispiel einer Krisenkommunikation zu erschließen. Als Fallbeispiel wurde die öffentliche Kommunikation über BSE ausgewählt, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Positionsnahmen eines breiten Akteursspektrums mobilisieren konnte. Anhand der Berichtserstattung ausgewählter Printmedien in den Hochzeiten der BSE-Krise (August 2000 bis Juli 2001) wird untersucht, wie sich „gesellschaftliche Ernährungskommunikation“ im Wechselspiel zwischen ExpertInnenwissen (wissenschaftliche, politische und zivilgesellschaftliche Meinungsführer), öffentlicher, medial inszenierter Kommunikation und politischer Steuerung konstituiert.

Eine genauere Erläuterung zu den Methoden der Politikfeldanalyse und der Kommunikationsanalyse finden Sie hier (pdf; 19 kB)

Das Modul Ernährung und Öffentlichkeit wird vom KATALYSE Institut, Köln (Ansprechpartnerin: Regine Rehaag, rehaag@katalyse.de) in Kooperation mit Prof. Dr. Eva Barlösius, Ernährungssoziologin, durchgeführt.